Anlässlich des 15jährigen Jubiläums des Rufs aus Potsdam hier unser Gegenruf:

Gegenruf zum
"Ruf aus Potsdam"

Als Einleitung der Schlacht um Berlin (16.4. - 2.5.45) bombardierte die Royal Air Force am 14.April 1945 die Garnisonstadt Potsdam und zerstörte die von den Nationalsozialisten verehrte Garnisonkirche. Seit Jahrzehnten wurde dort für den Krieg gepredigt. ■ Das sowjetische Militär schenkte das staatliche Kir- chenareal der Garnisonkirchengemeinde. Diese richtete sich 1950 eine Kapelle in der Ruine ein. Die Evangelische Kirche entschied, die Garnisonkirche in Heilig-Kreuz-Kirche umzubenennen. Zu Gunsten des Wiederaufbaus der Nikolaikirche nahm sie später den Abriss der Ruine in Kauf. Besonders protestierte z.B. der einstige Nazi-Ideologe                Winfried Wendland aus dem Kirchlichen Bauamt. ■ 1968 enteignete die DDR die Heilig-Kreuz-Gemeinde. Die Gemeinde wurde großzügig entschädigt und konnte das Heilig- Kreuz-Haus zu einem modernen Gemeindezentrum ausbauen. Die Kirchenruine sprengte man (wie etwa gleichzeitig die Garnisonkirche in Hannover) trotz verschiedener Proteste. Die abgetragene Garnisonkirche blieb eine Symbolkirche rechter Nationalisten in der Bundesrepublik. Großspenden belegen das. ■ Wir finden uns nicht damit ab, dass dieses Symbol wieder entstehen soll. Wir rufen auf, den Wiederaufbau zu verhindern.

  

UNTERSTÜTZEN SIE UNS !

Das Areal der Garnisonkirche soll einer geschichtsbewussten Friedensarbeit dienen. Friedensarbeit darf kein Mittel sein, um den Bau eines umstrittenen Turms zu legitimieren. "Der befreiende Ruf des Evangeliums" braucht keinen riesigen Turm. Bereits die Wiederaufbaupläne für die Garnisonkirche bestärken Nationalisten und Antidemokraten. Der lan- ge schwer belastete Ort der Garnisonkirche, an dem man oft für Krieg und Gewalt, für Monarchie und Diktatur zusammenkam, muss einen eindrücklichen Bruch in der äußeren Gestalt erfahren. ■ Der architektonische Stellenwert der alten Garnisonkirche ist umstritten, ihr Baumeister zweitrangig. Der Potsda- mer Dreikirchenblick war historisch wechselhaft. ■ Kein Widerständler ist bekannt, den Predigt oder Seelsorge an der Garnisonkirche zum Widerstand inspirierte. Belegt ist jedoch geistliche Inspiration zu Kriegen. ■ Die Garnisonkirche wurde nicht nur im März 1933 missbraucht. Der Auftritt Hitlers war lediglich ein Höhepunkt einer Kontinuität gotteslästerlichen Missbrauchs und jahrzehntelanger Kriegsverherrlichung.

■ Wer Frieden gestalten will, muss aus der ganzen Geschichte lernen und darf nichts davon verleugnen.

Wir wollen uns die Geschichte Potsdams nicht verharmlosen lassen, um einen Barockturm zu ermöglichen. Dieser ist kein Schuldbekenntnis und verhöhnt die Opfer der Kriege.

Die Befürworter des Kirchennachbaus unterstützen – teilweise ahnungslos und teilweise wissend – Neonationalisten und Antidemo- kraten. Für diese entsteht ein Tempel und Anlaufpunkt, an dem unseliges Preußentum wiederbelebt werden kann. Ausstellungsvitrinen und Vorträge werden das nicht verhindern.

Ein Erstunterzeichner des "Ruf aus Potsdam" ist Alexander Gauland.

 

HELFEN SIE UNS, DEN WIEDERAUFBAU DER POTSDAMER GARNISONKIRCHE ZU VERHINDERN !

Vor 15 Jahren hieß es, der Aufbau der Garnisonkirche(!) soll bis 2010/2012 abgeschlossen sein. Die erwartete finanzielle "Unterstützung aus den Staaten, die an dem von uns Deutschen entfesselten Zweiten Weltkrieg beteiligt waren" blieb geradezu demonstra- tiv aus. Die Spenden liegen insgesamt weit unter den Prognosen. Die Bauplanung ist unseriös. Unserer Stadt soll eine berüchtigt "berühmte Barockkirche zurückgegeben" werden, obwohl es ein beeindruckendes Bürgervotum dagegen gibt. Die Stadt- verordnetenversammlung hat deshalb beschlossen, sich für die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche einzusetzen. Die kirchennahe Stiftung Garnisonkirche täuscht und manipuliert die Öffentlichkeit, verdunkelt ihre Finanzen und spaltet die Gesellschaft unversöhnlich.

  

Wir wenden uns an alle Menschen, die mutig und aufrichtig aus unserer Vergangenheit lernen wollen und sich für Frieden ohne alte Wahrzeichen von Krieg und Gewalt einsetzen.

  

die Nächsten, Profilgemeinde in Potsdam Potsdam, 14. Januar 2019