Demokratisches Doppel

Geist von Weimar – Geist von Potsdam  -  Demokratisches Doppel – 

Eine Intervention gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam

 

8.2.2019 Deutsches Nationaltheater Weimar und

9.2.2019 Rechenzentrum Potsdam, jeweils 15 Uhr

 

Blickt man in diesen Tagen nach Weimar, so kann man sehen, wie der Gründung der ersten deutschen Demokratie vor 100 Jahren am 6. Februar 1919 lebendig und kreativ gedacht wird und wie ein klug konzipiertes „Haus der Weimarer Republik“ als „nationaler Erinnerungsort für die erste deutsche Demokratie“ entsteht.

 

Blickt man nach Potsdam, dem korrespondierenden Ort für das Ende der Weimarer Republik, so findet man eine heillose, nicht ausfinanzierte Baustelle für eine Turmreplik der Garnisonkirche und ein konzeptarmes Vorgehen der Stiftung Garnisonkirche, das der Bedeutung dieses Ortes nicht gerecht wird.

 

Die Martin-Niemöller-Stiftung will einen weiteren Impuls geben, damit auch an der früheren Garnisonkirche Potsdam ein angemessener, öffentlicher „nationaler Erinnerungsort“ entsteht - mit wacher Aufmerksamkeit für die bauliche Erscheinung und für die Fragen, die spezifisch dieser Ort uns Heutigen produktiv zu stellen vermag.

 

Die Martin-Niemöller-Stiftung verbindet deshalb das Erinnern und Lernen an beiden Orten mit einem „Demokratischen Doppel“, zwei Veranstaltungen und einem Sendschreiben.

 

Die Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar und mit dem „Komitee für preußische Leichtigkeit“ sowie der evangelischen Profilgemeinde „Die Nächsten“ in Potsdam statt, dort im „Kreativhaus Rechenzentrum“ am Ort der ehemaligen Garnisonkirche.

 

Im Einzelnen:

 

Am Freitag, 8. 2. 2019 um 15 Uhr führen die Historikerin Prof. Dr. Ursula Büttner und der Journalist der Frankfurter Rundschau Stephan Hebel ein Zwiegespräch über die beiden politischen Grundströmungen der 20er Jahre, den „Geist von Weimar“ und den „Geist von Potsdam“ mit der Frage, was sie daraus für die aktuellen Auseinandersetzungen gegen Rechts– und für die Erinnerungskultur zu lernen empfehlen.

Matthias Grünzig, Autor des Standardwerks über die „Garnisonkirche im 20. Jahrhundert“, wird über den „Geist von Potsdam“ referieren.

Die Veranstaltung findet im Foyer des Deutschen Nationaltheaters Weimar statt, eingebettet in die „Woche der Demokratie“.

Um 17 Uhr wird ein „Sendschreiben nach Potsdam“ verlesen und anschließend vor dem Theater am Goethe-Schiller-Denkmal losgeschickt. (Fototermin)

 

24 Stunden später, am Samstag, 9. 2. 2019, um 15 Uhr erreicht das Sendschreiben den Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam zusammen mit einer jungen Birke vom Ettersberg/Gedenkstätte Buchenwald. (Fototermin)

 

Nach dem Verlesen der Botschaft und dem Pflanzen des Bäumchens wird in der zweiten Veranstaltung am Ort der ehemaligen Garnisonkirche Potsdam exemplarisch skizziert, was an diesem Ort künftig verhandelt werden sollte:

 

Der Schriftsteller Eugen Ruge, Träger des deutschen Buchpreises, spricht über ‚zweierlei Preußen‘.

Matthias Grünzig wird mit seinem Beitrag aus Weimar die beiden Veranstaltungen inhaltlich verbinden und die bisher in Potsdam vernachlässigte Auseinandersetzung mit dem „Geist von Potsdam“ eröffnen.

Prof. Dr. Michael Daxner, Potsdam, wird sich aus jüdisch-theologischer Sicht mit „Versöhnung“ auseinandersetzen und den Umgang der Stiftung Garnisonkirche mit diesem Wert scharf kritisieren.

Prof. Dr. Hanne-Margret Birkenbach, Hamburg, stellt die „Friedenslogik“ als zivile Sicherheitspolitik und als Alternative zur Aufrüstung der Europäischen Union vor.